Fazit zur Radtour

Diese Radtour hat mich an Grenzen gebracht, die zu überwinden ich vorher nicht geglaubt hatte. Doch jetzt weiß ich, dass ich von Berlin nach Heilbronn mit dem Fahrrad fahren kann. Als ich gestartet bin, hatte ich keine Vorstellungen was kommen wird und war auch nicht vorbereitet. Eigentlich stand das Scheitern immer im Raum. Denn ein aktiver Radsportler bin ich wohl kaum. Dennoch haben mein Wille und ein wenig auch mein Trotz mich zum Ziel begleitet.

Vor allem die Geschwindigkeit war überraschend. Anfangs hatte ich noch mit 50km pro Tag gerechnet. Ich konnte meistens mehr. Ohne Gebirge wäre ich sogar noch schneller gewesen. Und das Gebirge hat mich auch überrascht. Ich dachte an kurze Aufstiege, aber die erstreckten sich über etliche Kilometer. Und mit soviel Schnee hatte ich auch überhaupt nicht gerechnet.

Unterwegs sah ich neben den verschiedensten Ortschaften auch jede Menge Tiere. Raubvögel, Singvögel, Schwäne, Hühner, Gänse, Reiher, Ziegen, Schafe, Kühe, Schweine, Hunde, Katzen, Erdmännchen, Käfer und jede Menge mehr. Außerdem sah ich Flüsse und Bäche in den verschiedensten Größen und viele Wasserfälle. Die Vegetation unterschied sich auch sehr. Die Reise ging nur durch Deutschland und doch habe ich unglaublich viel gesehen. Eindrücke, die bleiben.

Einsam war es oft, manchmal schien es, als sei ich dieses Jahr der erste Mensch der den Weg beschreitet. Dennoch fühlte ich mich nie allein, sondern frei und gut.

Gewonnen habe ich also eine Erfahrung fürs Leben gewebt aus endlosen kleinen Momenten und verloren habe ich nur eine Jacke.

Danke für eure Glückwünsche und den Zuspruch.

Tag 7: Heilbronn

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Es ist geschafft. Heute stieg ich sehr früh aus dem Bett, packte meine Sachen und verspeiste noch ein paar Reste meines Abendessens. Diesmal also kein leckeres Frühstück in der Herberge. Ich hatte ein Ziel, so viele Kilometer des restlichen Weges zurücklegen, wie es mir möglich ist. Der gut gelaufene Vortag gab mir Zuversicht. Am Vormittag fing es dann leider an zu hageln, später zu regnen und schließlich zu schneien. Meine Brille war nicht mehr frei und so konnte ich kaum etwas sehen. Zudem war meine Hose nass und noch viel katastrophaler: meine Schuhe. Die Füße begannen also schon an zu frieren bevor ich auch nur annähernd die Hälfte geschafft hatte. Ich überlegte schon mir ein Zimmer zu nehmen und morgen weiter zu fahren, entschied mich aber fürs Kämpfen. Steigungen, die ich mit dem Fahrrad nicht hochfahren konnte nutzte ich um die Füße zu wärmen, indem ich besonders schnell lief und das Rad schob. Gegen 14 Uhr hörte der Schneeregen dann auch wieder auf und die Fahrt wurde leichter. Ich war in Baden-Württemberg, das Ziel war nah und ich wollte es schaffen, heute. Also biss ich die Zähne zusammen und fuhr und schob und fuhr und kam an. Leider an der falschen Adresse. Das Navigationssystem hat mich im Stich gelassen und mich zur falschen Straße geführt. Nochmal ein paar Kilometer mehr. Egal. Es wurde dunkel, aber ich fuhr, als wäre ich gerade erst auf das Rad gestiegen und machte mich auf die letzten Meter hinter mich zu bringen. Und jubelte dann mit einer Freude, die mich komplett ausfüllte.

Bei meiner Schwester konnte ich dann schön warm duschen und bekam ein leckeres warmes Abendessen. Die Wäsche steckten wir auch noch in die Maschine und sobald diese aufgehängt ist, geht es ins Bettchen. Morgen muss ich nicht weiter, ich habe über 650km hinter mir und bin erleichtert und überwältigt, dass ich dieses Ziel wirklich gemeistert habe. Ich bin angekommen.

Tag 6: Würzburg

Nach dem Frühstück und einer zweiten Dusche heute früh ging ich wieder auf mein Fahrrad und wollte los. Nach kurzer Zeit fiel mir auf, dass ich mein Stirnband vergessen hatte, mist. Schon wieder ein Rückschlag. Ich dachte mir, dann werden die Ohren eben kalt. Aber vor allem die Kälte hatte mich die letzten zwei Tage erheblich geschwächt. Also fuhr ich zurück und hoffte, dass noch jemand da ist, ich hatte den Schlüssel des Hostels nämlich einem Automaten überreicht. Und ich hatte Glück, eine Dame, die mir auch das Frühstück gemacht hatte, war noch da. Das Stirnband war hinter die Heizung gerutscht.

Das fing ja gut an. Aber dann verflogen die Kilometer nur so hinter meinen Reifenspuren. Ich war endlich wieder dabei vor allem zu fahren. Hier und da gab es Hügel, die ich dann doch schieben musste, aber überwiegend ging es abwärts. Ein Hochgenuss. Und dann hatte ich auch schon Thüringen endlich hinter mir gelassen und Bayern erreicht. Ich habe es von Berlin nach Bayern mit dem Fahrrad geschafft. Ich war so glücklich als ich das begriffen hatte. Auch in Bayern ging es weiter mit meinem Glück, die Sonne strahlte mehr und mehr und wärmte mich und auch hier ging es überwiegend abwärts. Einen Tag zuvor musste ich noch mit einem zugeschneiten Berg kämpfen. Das Schwerste waren nun die schier endlosen Felder mit dem einen Weg darin, auf dem ich mich befand. Plötzlich stand ein Falke neben mir, ganz nah. Er sah mich an und ich ihn und er ließ mich weiterfahren und ich ihn weiterfliegen. Ein ganz besonderer Moment für mich.

Motiviert und überrascht durch meine Fortschritte habe ich mein eigentlich schon verworfenes Ziel Würzburg wieder ins Auge gefasst. Der Weg schien mir zu lang und war nun doch zu schaffen. Auf Pausen verzichtete ich heute, wenn ich das Rad schieben musste, weil ein Hügel zu steil war, dann aß ich eine Banane oder trank Wasser. Und als ich das Schild „Kreis Würzburg“ las wusste ich, dass ich es schaffe. Ganze 130km liegen hinter mir. Meine Beine pochen, aber es fühlt sich gut an.

Nun ist es wirklich nicht mehr weit.

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Tag 5: Suhl

Ein schlimmer Tag neigt sich dem Ende. Ich bin nicht besonders weit gekommen, aber das ist nicht das Schlimme. Schlimm waren die Berge des Thüringer Waldes, der Weg darüber war aufwärts vereist und abwärts voller Schnee. Meine Füße waren also nicht nur durch das Laufen über den Berg belastet sondern auch noch nass und kalt. Bei einem Teilabschnitt war ich dann auch noch so dumm und habe mich trotzdem aufs Fahrrad geschwungen. Nach kurzer Zeit flog ich dann vom Fahrrad, weil es auf dem Glatteis keinen Halt mehr fand. Habe aber nur ein paar rote Stellen am Ellenbogen davon getragen. Außerdem hätte ich gerne ein Video von diesem Sturz. Ich schlitterte nämlich noch etliche Meter mit dem Fahrrad zusammen weiter, bevor ich mich wieder aufrichten konnte.

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*links unten geht es übrigens bergab in 20cm hohem Schnee

Nachdem ich endlich die andere Seite des Berges erreicht hatte und wieder Asphalt unter den Rädern hatte, ging es überwiegend bergab. Auch nicht leicht zu fahren, man muss ständig bremsen. Kurz vor Suhl passierte dann noch das Traurigste des Tages. Ich verlor meinen Hoodie. Eine schwarze Jacke weniger, die mich wärmen könnte. Mist.

Nachdem ich weniger Kilometer zurück bin, um den Hoodie noch zu finden (leider ohne Erfolg), merkte ich die nassen Füße. Sie froren genauso wie meine Hände, die mit zwei Paar Handschuhen verpackt waren. Dieser Umstand und die Zeit zwangen mich in Suhl eine Unterkunft zu finden. Das hat zum Glück geklappt.

Das Vorhaben, die verloren Kilometer von gestern wieder einzuholen und das Gebirge zu bezwingen, hat also nur halb geklappt.

 

Tag 4: Arnstadt

Nach dem Frühstück in Buttelstedt befreite ich mein Fahrrad von dem Schlamm des Vortages, leider ging das nicht besonders gut. Daher waren meine Hose und die Fahrradtasche am Ende des Tages voll mit Spritzern. Der Weg war diesmal von Anfang an schwierig und hat mir keinen leichten Einstieg wie die Male zuvor gewährt. Zudem nieselte es nahezu dauerhaft und ich kühlte immer weiter aus.

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Und dann wurde ich von einem Bach gestoppt, der über den Radweg verlief. Er war jedoch erheblich zu tief um durchzufahren. Nachdem ich die Seiten nach einer dünneren Stelle absuchte und keine fand, habe ich den einzigst möglichen Weg gewählt, eine Eisenbahnbrücke, dafür musste ich zunächst den Hügel besteigen, dann die Schienen überqueren und wieder den Hügel auf der anderen Seite absteigen. Mit vollbepacktem Fahrrad. Das hat meine letzten Kraftreseveren aufgebraucht. Dennoch bin ich noch einige Kilometer weiter gekommen, habe in Arnstadt jedoch die Reißleine gezogen, da ich trotz meiner Jacke anfing zu zittern.

Mein Ziel ist es, morgen die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Hoffentlich gelingt das.

Tag 3: Buttelstedt

Nach zwei Tagen Pause in Leipzig habe ich mich wieder auf den Weg gemacht, also ist Tag 3 eigentlich der Fünfte. Aber Ich zähle hier einfach nur die Tage, an denen ich auch fahre. Dennoch zählen die Tage in Leipzig, es war eine großartige Zeit. Ausgeruht ging es also weiter nach Buttelstedt, ein sehr kleines Städtchen in Thüringen. Die ersten Kilometer waren auch sehr angenehm zu fahren, dann kamen mehr und mehr Steigungen hinzu, die aber mit schnellen Bergabs belohnt wurden.

Kurz vor dem Ziel wurde ich dann jedoch durch einen sehr matschigen Weg aufgehalten. Er war zwar nur 3km lang, jedoch konnte ich nicht fahren, da ich in den Matsch versank. Und schiebend weiter zu kommen war ebenso nicht leicht. Der Matsch bremmste die Räder ab, indem er sich zwischen Rad und Schutzblech sammelte. Die Ankunft in der Pension verschob sich um Längen. Also rief ich bei der Pension an und der nette Besitzer holte mich dann am Ende der Matschpartie ab und fuhr mich die letzten 4km zur Pension. Der Supermarkt hatte mittlerweile zu und ich hatte Hunger, daher bin ich in die Pizzeria gegangen und habe mir eine Spinatpizza und drei große Spezi gegönnt.

Insgesamt eine schöne Erfahrung, die ich mit Buttelstedt in Verbindung bringe.

Tag 2: Leipzig

Nachdem ich sehr gut gefrühstückt hatte packte ich meine Sachen zusammen und machte mein Fahrrad wieder startklar. Mein Hintern schmerzte besonders, aber ich nahm mir vor, dass die Tour nach Leipzig nur noch 75km sind und das zu schaffen sei. Also schwang ich mich aufs Rad und fuhr los. Die ersten 10km gingen noch, dann fingen die Kräfte aber schon an nachzulassen. Ich beschloss alle 25km eine Pause zu machen, damit ich wieder Kräfte sammeln konnte und etwas Luft an meinen Po kommt. Diesmal ging es auch durch einen Wald und damit auf einen sandigen Untergrund. Furchtbar zu fahren. Meine Pausen taten gut und der Endspurt war geprägt von leicht zu fahrenden geraden Strecken, die nicht im Horizont endeten und damit endlos wirkten wie am Anfang. Und als ich dann endlich das Ortsschild von Leipzig sah, haben mich starke Glücksgefühle gestärkt. In Leipzig selbst musste ich dann auch noch 17km fahren, jedoch mit vielen Neigungen und einer Menge zu sehen. Ich habe es dann schließlich geschafft. Übernachten kann ich bei meiner Freundin Mandy, da mir die Oberschenkel stark schmerzen werde ich hier eine längere Pause einlegen, bevor es weiter geht.

Ganze 175km sind hinter mir, bleiben noch 425km. Die Berge kommen noch, vor denen fürchte ich mich ein wenig. Aber jetzt werde ich mich erstmal ausruhen.

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Tag 1: Wittenberg

Heute früh ging es los. Habe noch ausgiebig Früstück mit meiner Mutter gegessen und bin danach gleich auf das Rad. Habe mein Handy als Navigation genutzt um den kürzesten Weg zu fahren. Die ersten 50km fielen mir noch sehr leicht. Ein paar leichte Steigungen waren zu verkraften, schließlich ging es ja auch wieder bergab. Danach wurde die Strecke jedoch mehr und mehr zur Qual. Eine sehr lange gerade Strecke verlangte alles an Motivation ab. Meine Oberschenkel fingen zu brennen an, meine Arme taten weh und manchmal zitterten die Hände. Aber der Hintern beschwerte sich am stärksten. Mit einem provisorischem Sitzkissen versuchte ich ihn zu beruhigen. Vergebens. Bei 80km Strecke gab ich innerlich auf und wollte nur noch in eine Pension und duschen. Zum Glück waren alle voll oder wollten mich nicht nur für eine Nacht. Daher habe ich mit eisernem Willen die letzten 20km auch noch hinter mich gebracht und habe meine erste Etappe erreicht: Wittenberg. Untergekommen bin ich in der Jugendherberge, sehr schick, günstig und eine sehr freundliche Dame an der Rezeption. Ich bin begeistert. 

 
Als Fazit kann ich sagen, dass ich schon jetzt 100km hinter mich gebracht habe, meinem Hintern zuliebe jedoch etwas kürzer treten muss. Wittenberg ist eine schöne Stadt, hier sollte ich nochmal herkommen.

Morgen nach dem Frühstück geht es jedenfalls weiter. Drückt mir die Daumen, dass ich es bis zum nächsten Ziel schaffe. Und nun gehe ich schlafen. 

Start der Radtour

Nun geht es also endlich los. Meine Fahrradtour startet. Ich werde ca. 600 km von Berlin nach Heilbronn mit dem Rad fahren. Für mich ist das eine große Aufgabe, die ich bewältigen will und hoffentlich auch werde.

Das Fahrrad war nochmal in der Werkstatt und schafft den Weg hoffentlich mit mir zusammen. Das Ziel ist noch weit, aber rückt nun jeden Tag näher.

 mein Rad 

Bonn

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Für zehn Jahre habe ich in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn gelebt und möchte nun auf diese Stadt zurück blicken. Ein schöner subjektiver Blick natürlich. Zunächst die Frage was Bonn hat und was nicht. Das Städtchen liegt wunderschön im Tal und hat die Anbindung zum Rhein, hat eine Oper, viele schöne Museen und neben einer reichen Auswahl an Restaurants (und Ähnlichem) eine tolle Tradition an Kulturangeboten, Schwimmbäder, Posttower und vor allem nette und freundliche Menschen. Es gibt keinen Apple-Store, keine U-Bahn (jedoch blaue U-Schilder, die aber auf die Straßenbahn hinweisen, die teilweise im Untergrund fährt), keinen Flair von Großstadt, keine Rheinkultur mehr, kein kostenloses WLAN (trotz Telekomzentrale), keine schöne Altstadt, kein richtiges Nachtleben, kein Meer und noch viel mehr nicht.

Gliederung der Stadt

Der Aufbau ist recht leicht zu erklären. Das Zentrum selbst ist Bonn, quasi die Fußgängerzone mit 1km Umkreis dazu. Der rest sind die Bezirke, die eigentlich eigene Dörfer sind und per Straßenbahnen angebunden sind. In Berlin werden Orte mit den dazugehörigen Stationen verknüpft. In Bonn sind es eher die Bezirke (Ortsteile). Man befindet sich also nicht am Zoo oder am Alex sonder in Bad Godesberg, Kessenich oder Beul.

Trauma Hauptstadt

Seit 1999 ist Bonn nicht mehr die Bundeshauptstadt von Deutschland, durch das Abziehen vieler Verwaltungen und der Regierung nach Berlin sind natürlich auch die Arbeitsplätze weggegangen. Aber viel mehr hat die Bonner es getroffen den „Titel“ zu verlieren. Daher gab es ein lustiges Trostpflaster: Bonn ist die einzige Bundesstadt Deutschlands. Schließlich sind ja auch noch viele Ministerien und Verwaltungen dort. Dennoch ist diese Bezeichnung natürlich eher albern. Insgesamt hat die Politik den Umzug nach Berlin gut gestaltet. Bonn geht es nicht wirklich schlecht aufgrund des Wegzugs der Regierung.

Die Menschen

Besonders hervorheben möchte ich die Art der Menschen in Bonn. Sie sind den anderen Rheinländern sehr ähnlich, im Detail oft noch anders; nämlich sehr offen, freundlich und herzlich. Sie lästern aber auch gerne hinter den Rücken der besten Freunde und der Familie. Das kann komisch sein, aber wenn man darum weiß hat das was sehr komisches und ist nicht schlimm. Am Ende sind mir besonders die Menschen (darunter auch viele Zugezogene, wie ich) in meiner Erinnerung geblieben und diese werden mir immer mit wohligem Gefühl im Herzen bleiben.

Impressionen